{"id":368,"date":"2014-12-10T16:33:05","date_gmt":"2014-12-10T14:33:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wortbahnhof.de\/?p=368"},"modified":"2014-12-11T02:47:54","modified_gmt":"2014-12-11T00:47:54","slug":"die-sache-mit-dem-einfachen-geniessen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.wortbahnhof.de\/?p=368","title":{"rendered":"Die Sache mit dem \u201eeinfachen\u201c Genie\u00dfen"},"content":{"rendered":"<p>Ich bin oft sehr schnell von Menschen begeistert. Wenn das passiert, dann f\u00fchle ich mich auf viele Arten zu ihnen hingezogen, will Zeit mit ihnen verbringen, K\u00f6rperkontakt, N\u00e4he, und ich schw\u00e4rme f\u00fcr sie. <\/p>\n<p>Vor Kurzem ist es wieder passiert, dass ich pl\u00f6tzlich sehr begeistert von einer Person wurde. Ich habe versucht das zu beobachten um Gefahren des \u201eletzten Mals\u201c zu umgehen, was leider in der Hinsicht ausartete. Und zwar in der Hinsicht, dass ich anfing mich zu pathologisieren und zu fragen, ob es normal ist was ich tue, f\u00fchle und denke. Ich bin regelrecht fixiert auf die Person, weil die Person es mir so angetan hat. Und dadurch, dass ich da so verkopft bin, kriege ich es nicht auf die Reihe herauszufinden, ob ich einfach so fixiert bin, weil ich verliebt bin, oder weil das ein seltsames Muster von mir ist, dass auf Menschen greift, die ich toll finde, um Alltagsrealit\u00e4ten zu entfliehen, in dem ich mich f\u00fcr Menschen begeistere und sie \u00fcbersteigert in meinem Kopf darstelle. Oder beides, oder etwas ganz anders? Ich wei\u00df es nicht und bin etwas \u00fcberfordert.<\/p>\n<p>Ich mache mir Gedanken, will der Person nahe sein und habe Angst mir einzugestehen, dass ich mich verliebt habe, falls ich mich verliebt habe, weil ich Angst davor habe verletzt zu werden. N\u00e4mlich deshalb, weil ich nicht wei\u00df, was die andere Person f\u00fcr Erwartungen hat und ich auch gar nicht so recht wei\u00df, was ich selbst f\u00fcr Erwartungen von der zwischenmenschlichen Beziehung habe. Dann frage ich mich: Warum ist es denn eigentlich wichtig Erwartungen zu haben, warum kann ich es nicht \u201eeinfach\u201c genie\u00dfen, also die Zeit mit der Person und die Ber\u00fchrungen und das Schw\u00e4rmen. Teilweise kann ich das auch, aber irgendwie habe ich Angst, dass es mir dann weh tut, weil es sein k\u00f6nnte dass eine Person Gef\u00fchle entwickelt und die andere Person nicht (ich hab nat\u00fcrlich Angst davor, dass ich es bin und die andere Person keine\/andere Gef\u00fchle entwickelt). Aber auch, weil es beim \u201eletzten Mal\u201c, als ich so angetan von einer Person war, es so endete, dass der Kontakt abgebrochen werden musste, weil mir der Kontakt zu der anderen Person nicht gut tat und ich mich in ein Bild der Person verliebt hatte, nicht in die Person selbst. Das ist wahrscheinlich nichts gro\u00dfartig Abweichendes, weil sich alle Menschen ja wom\u00f6glich eher in Bilder verlieben, die sie sehen wollen, und nicht in \u201edie Person selbst\u201c, was auch immer &#8222;die Person selbs&#8220; eben sein sollte.<\/p>\n<p>Eine andere \u201elustige\u201c Sache scheint zu sein, dass die Zeit, die ich genie\u00dfe und die Begeisterung, die ich f\u00fcr die Person entwickelt habe, dazu f\u00fchrt, dass es mir nicht nur besser geht, sondern auch manchmal schlechter. Nicht nur wegen so verkopften Gedanken und \u00c4ngsten, sondern ganz konkret, weil ich, wenn ich die N\u00e4he der Person verlasse, Alltagsaufgaben vor mir habe, auf die ich keine Lust habe und die mir dann schwerer fallen. Diese Alltagsdinge konnte ich gef\u00fchlt vorher besser bew\u00e4ltigen, weil die sch\u00f6ne Alternative eben gerade nicht da war. Ohne positiven Kontrast l\u00e4sst es sich wohl leichter in einem System funktionieren. Nun habe ich mehr positive Gef\u00fchle, aber auch den negativen Kontrast &#8211; irgendwie fair und nicht fair zugleich.<\/p>\n<p>Ich stelle wieder mal fest, dass mir Labels wichtig zu sein scheinen. Ich definiere mich \u00fcber Arbeit, Kreatives und anderes, was ich mache und tue, was ich benennen kann, und was ich auch anderen pr\u00e4sentieren kann, um mich eben auch \u00fcber die Fremdwahrnehmung zu definieren. Zum anderen definiere ich mich auch \u00fcber die sozialen Bindungen, die ich habe. Es mag nicht \u201ecool\u201c sein alles benennen zu m\u00fcssen, aber ich merke, dass es mir eine gewisse Festigkeit, einen Halt gibt soziale Bindungen zu benennen, auch wenn es eine solche Konstante ja auch wiederum bei sozialen Bindungen nicht in dem Ma\u00dfe zu geben scheint. Und dann denke ich dar\u00fcber nach, was es mir bringen w\u00fcrde bei der \u201eneuen\u201c Person und mir: Klar, wir w\u00fcrden erstmal dar\u00fcber reden m\u00fcssen, was wir f\u00fcr Bed\u00fcrfnisse haben, und eine feste Benennungsform zwischen und zu haben, w\u00e4re auch wieder einengend, aber vielleicht auch gerade nur, weil ich mir selbst nicht dar\u00fcber im Klaren bin, was mein Bed\u00fcrfnis ist. Warum ist das denn oft so schwierig mit den Gef\u00fchlen und den Bed\u00fcrfnissen und dem \u201eeinfachen\u201c Genie\u00dfen? <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bin oft sehr schnell von Menschen begeistert. 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